ENNIO ist einer der spannendsten Namen im deutschsprachigen Indie-Pop der letzten Jahre – ein Sänger mit tiefer, leicht belegter Stimme, der zwischen Herzschmerz-Ballade und tanzbarem Pop-Rock pendelt und dabei immer wieder in seine Heimatstadt München zurückkehrt. Die Geschichte dahinter ist die eines Künstlers, der zweimal neu angefangen hat, bevor sein Name wirklich auf den Plakaten klebte.
Ein Münchner Kindl mit italienischem Vornamen
Ennio Frankl, geboren am 29. Dezember 1999 in München, trägt seinen Vornamen nicht zufällig. Seine Eltern benannten ihn nach dem italienischen Filmkomponisten Ennio Morricone – ein schöner, fast schon vorbelasteter Start für jemanden, der später selbst von Musik leben sollte. Aufgewachsen ist er mitten in der Stadt, im Lehel, und dieser Bezug zu München zieht sich bis heute durch seine Songs, seine Interviews und seine Bühnenansagen.
Wer seine Lieder hört, merkt schnell: Hier singt jemand, der nicht aus Kalkül ins Deutsche gewechselt ist, sondern weil er dort etwas zu erzählen hat – über den Fluss, über Nächte am Isarufer, über das Erwachsenwerden in einer Stadt, die zwischen Tradition und Hipness balanciert.
Vom Emotional Club zum eigenen Namen
Bevor aus dem Künstler ENNIO wurde, veröffentlichte er unter dem Pseudonym Emotional Club englischsprachige, elektronisch gefärbte Indie-Tracks. Sein größter Titel aus dieser Phase hieß „Crystal“, und musikalisch orientierte er sich an Produzenten wie Tom Misch oder FKJ – warmer, jazzig angehauchter Bedroom-Pop mit viel Groove und wenig Pathos.
2021 zog er einen Schlussstrich unter dieses Kapitel. Er legte das Pseudonym ab, wechselte die Sprache und begann, unter seinem eigenen Vornamen deutschsprachige, oft akustischere Songs zu veröffentlichen. Die erste Single dieser neuen Ära war „Blaulicht“ – ein Track, der das Gefühl einer durchzechten Nacht im deutschsprachigen Pop so treffend einfing wie lange keiner mehr. Ein ziemlich steiler Einstieg für jemanden, der gerade erst einen neuen Namen trug.
Die Sache mit dem Henning-May-Vergleich
Wer Ennio zum ersten Mal hört, denkt fast zwangsläufig an AnnenMayKantereit. Die raue, tiefe Bariton-Stimme, dieser belegte Unterton – das hat gleich mehrfach den Vergleich mit Henning May ausgelöst. Ennio selbst nimmt das als Kompliment, betont aber, dass die Stimme nicht das Ergebnis literweise Whisky und stangenweise Zigaretten sei – die Raucherphase liegt hinter ihm.
Interessant ist, dass diese Ähnlichkeit im Englischen bei Emotional Club gar nicht so auffiel. Erst der Sprachwechsel ins Deutsche hat der Stimme einen Charakter verliehen, der ihn in die Nähe dieser bestimmten Kölner Tradition rückt – ohne dass seine Songs klingen wie eine Kopie.
„Ich nehme das als Kompliment“, sagt Ennio über den Vergleich – und meint es auch so.
Zwischen Moshpit und Herzschmerz
Musikalisch bewegt sich Ennio heute auf einer ziemlich breiten Bühne. Auf der einen Seite stehen Songs wie „Blaulicht“, „Kippe“ oder „Rimini“ – tanzbare, manchmal fast punkig-poppige Nummern mit Rock-Kante und klarem Partypotenzial. Auf der anderen Seite sitzen Balladen wie „2 Teile“ (eine Dankes-Hymne an seine Eltern) oder „Isar“, das auf den ersten Blick wie ein Liebeslied klingt und in Wahrheit eine Liebeserklärung an München und das Leben am Fluss ist.
Seine erste EP „stundennull“ erschien 2022. Das Debütalbum folgte, und 2024 legte er mit „Schlaraffenland“ nach – ein Album, mit dem er sich endgültig von den elektronischen Wurzeln seiner Anfangsphase gelöst hat. 2026 geht er mit der „HAIFISCHBECKEN“-Tour auf große Reise.
Warum man Ennio sich merken sollte
Der Weg dorthin war kein Zufall: Schon 2021 nahmen ihn Provinz als Support mit auf Tour, später folgten Slots bei Jeremias, Majan, Kraftklub und Cro. Co-Signs gab es unter anderem von Casper und Paula Hartmann, und mit Nina Chuba entstand der Song „Fühlst du gar nichts?“. 2023 spielte er auf über 30 Festivals. Im Juli 2025 schließlich stand er zum ersten Mal als Headliner in der Tollwood-Musikarena – in jenem Zelt also, in dem er früher selbst als Besucher stand.
Ennio ist damit nicht mehr nur ein Geheimtipp, sondern eine feste Größe in einer Indie-Pop-Landschaft, die sich gerade neu sortiert. Er gehört zu einer Generation deutschsprachiger Künstler, die Indie nicht als Nische, sondern als Mainstream mit Herz verstehen – und die keine Angst davor haben, ihre Heimatstadt im Refrain beim Namen zu nennen.





